Das Weihnachtsgeschenk meines Sohnes an mich…
… eine gemeinsame Reise nach Rzeszów. Dorthin, wo Ida 1897 geboren wurde und bis zu ihrer Hochzeit im Jahr 1919 lebte.
Die Reise war weiter als gedacht. Am Ende standen 1.427 Kilometer auf dem Tacho. Zwar führte die Strecke fast ausschließlich über Autobahnen – abgesehen von einer kleinen Umleitung durch das tschechische Hinterland, die sich unser Navi offenbar eigens für uns ausgedacht hatte –, trotzdem war vor allem die Hinfahrt anstrengend. Es schüttete nahezu durchgehend.
Aber die Mühe hat sich gelohnt. Nach rund sieben Stunden, unterbrochen von einer Mittagspause in Katowice (Lokaltipp: Largo), kamen wir endlich in Rzeszów [ˈʐɛʂuf] an. Die Stadt liegt am Wisłok, nicht weit von den Karpaten entfernt. Und auch die Ukraine ist nah: Bis zur Grenze sind es nur rund 90 Kilometer. Wie nah, wurde uns während unserer zwei Tage in Rzeszów immer wieder bewusst. Mehrfach erhielten wir diese SMS: „Alert RCB! Attention! Russian air strike in Ukraine. Situation monitored. Polish Air Force active in RP airspace. Follow updates.“ In Rzeszów selbst fühlten wir uns sicher. Und trotzdem war da plötzlich dieses sehr beklemmende Bewusstsein, dass nur wenige Kilometer entfernt Krieg herrscht.
Am Samstag machten wir uns, gestärkt durch ein großartiges Frühstück (Lokaltipp: Rzeszuff), auf den Weg zu all jenen Orten, die ich unbedingt sehen wollte. Natürlich begann unsere Tour beim ehemaligen Wohnhaus von Idas Familie.
Und dann stand ich tatsächlich davor.
Das Haus ist unscheinbar und deutlich kleiner, als ich es mir in meiner Fantasie ausgemalt hatte. Gleichzeitig konnte ich mir gut vorstellen, dass hier eine wohlhabende jüdische Familie um die Jahrhundertwende gelebt hat. Plötzlich war es nicht mehr nur eine Adresse in einem Dokument. Es war ein wirklicher Ort. Ida war hier als Kind ein und aus gegangen, hier hatte sich ein Teil ihres Lebens abgespielt.
Unser Spaziergang durch die Innenstadt war trotz des Regens wunderbar. Ich hatte, wenn ich ehrlich bin, vorher gar keine richtige Vorstellung von Rzeszów. Umso größer war meine Freude darüber, eine so schöne, gepflegte und lebendige Stadt zu entdecken.
Ein wichtiger Ort für mich war auch der jüdische Friedhof. Mit großer Wahrscheinlichkeit wurde hier Idas Mutter begraben, die starb, als Ida noch ein kleines Kind war. Doch von den ursprünglichen Gräbern ist praktisch nichts geblieben. Die Nationalsozialisten zerstörten den Friedhof während der deutschen Besatzung nahezu vollständig. Nur ein einziger Grabstein blieb stehen. Wenn man dort steht und weiß, dass hier einmal unzählige Menschen ihre letzte Ruhestätte hatten, ist das schwer auszuhalten. Von Idas Mutter gibt es keine sichtbare Spur mehr.
Ein ganz anderer Moment war dagegen ein echter Glücksfund: Im Internet entdeckte ich eine alte Ansicht des Marktplatzes von Rzeszów. Darauf ist tatsächlich jene Straße zu sehen, in der Idas Elternhaus steht. Solche Entdeckungen sind für mich immer etwas Besonderes. Für einen Augenblick rückt die Vergangenheit ein kleines Stück näher.
Mit dieser Reise habe ich nun tatsächlich alle wichtigen Orte besucht, die in Idas Leben eine Rolle spielten: ihr Elternhaus in Rzeszów, die Villa und den Standort ihrer Firma in Wien – das Firmengebäude existiert leider nicht mehr –, ihre Villa in Bad Vöslau und schließlich das Apartmenthaus in New York, in dem sie viele Jahre lebte und 1968 starb.
Und ja: Das sind für mich echte Fangirlmomente. Nach all den Jahren der Recherche, nach Akten, Briefen, Fotos und unzähligen Dokumenten bedeutet es mir unglaublich viel, an jenen Orten zu stehen, an denen Ida selbst einmal gestanden hat.
Rzeszów war dabei noch einmal etwas Besonderes. Denn hier begann ihre Geschichte.
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Das Weihnachtsgeschenk meines Sohnes an mich…
… eine gemeinsame Reise nach Rzeszów. Dorthin, wo Ida 1897 geboren wurde und bis zu ihrer Hochzeit im Jahr 1919 lebte.
Die Reise war weiter als gedacht. Am Ende standen 1.427 Kilometer auf dem Tacho. Zwar führte die Strecke fast ausschließlich über Autobahnen – abgesehen von einer kleinen Umleitung durch das tschechische Hinterland, die sich unser Navi offenbar eigens für uns ausgedacht hatte –, trotzdem war vor allem die Hinfahrt anstrengend. Es schüttete nahezu durchgehend.
Aber die Mühe hat sich gelohnt. Nach rund sieben Stunden, unterbrochen von einer Mittagspause in Katowice (Lokaltipp: Largo), kamen wir endlich in Rzeszów [ˈʐɛʂuf] an. Die Stadt liegt am Wisłok, nicht weit von den Karpaten entfernt. Und auch die Ukraine ist nah: Bis zur Grenze sind es nur rund 90 Kilometer. Wie nah, wurde uns während unserer zwei Tage in Rzeszów immer wieder bewusst. Mehrfach erhielten wir diese SMS: „Alert RCB! Attention! Russian air strike in Ukraine. Situation monitored. Polish Air Force active in RP airspace. Follow updates.“ In Rzeszów selbst fühlten wir uns sicher. Und trotzdem war da plötzlich dieses sehr beklemmende Bewusstsein, dass nur wenige Kilometer entfernt Krieg herrscht.
Am Samstag machten wir uns, gestärkt durch ein großartiges Frühstück (Lokaltipp: Rzeszuff), auf den Weg zu all jenen Orten, die ich unbedingt sehen wollte. Natürlich begann unsere Tour beim ehemaligen Wohnhaus von Idas Familie.
Und dann stand ich tatsächlich davor.
Das Haus ist unscheinbar und deutlich kleiner, als ich es mir in meiner Fantasie ausgemalt hatte. Gleichzeitig konnte ich mir gut vorstellen, dass hier eine wohlhabende jüdische Familie um die Jahrhundertwende gelebt hat. Plötzlich war es nicht mehr nur eine Adresse in einem Dokument. Es war ein wirklicher Ort. Ida war hier als Kind ein und aus gegangen, hier hatte sich ein Teil ihres Lebens abgespielt.
Unser Spaziergang durch die Innenstadt war trotz des Regens wunderbar. Ich hatte, wenn ich ehrlich bin, vorher gar keine richtige Vorstellung von Rzeszów. Umso größer war meine Freude darüber, eine so schöne, gepflegte und lebendige Stadt zu entdecken.
Ein wichtiger Ort für mich war auch der jüdische Friedhof. Mit großer Wahrscheinlichkeit wurde hier Idas Mutter begraben, die starb, als Ida noch ein kleines Kind war. Doch von den ursprünglichen Gräbern ist praktisch nichts geblieben. Die Nationalsozialisten zerstörten den Friedhof während der deutschen Besatzung nahezu vollständig. Nur ein einziger Grabstein blieb stehen. Wenn man dort steht und weiß, dass hier einmal unzählige Menschen ihre letzte Ruhestätte hatten, ist das schwer auszuhalten. Von Idas Mutter gibt es keine sichtbare Spur mehr.
Ein ganz anderer Moment war dagegen ein echter Glücksfund: Im Internet entdeckte ich eine alte Ansicht des Marktplatzes von Rzeszów. Darauf ist tatsächlich jene Straße zu sehen, in der Idas Elternhaus steht. Solche Entdeckungen sind für mich immer etwas Besonderes. Für einen Augenblick rückt die Vergangenheit ein kleines Stück näher.
Mit dieser Reise habe ich nun tatsächlich alle wichtigen Orte besucht, die in Idas Leben eine Rolle spielten: ihr Elternhaus in Rzeszów, die Villa und den Standort ihrer Firma in Wien – das Firmengebäude existiert leider nicht mehr –, ihre Villa in Bad Vöslau und schließlich das Apartmenthaus in New York, in dem sie viele Jahre lebte und 1968 starb.
Und ja: Das sind für mich echte Fangirlmomente. Nach all den Jahren der Recherche, nach Akten, Briefen, Fotos und unzähligen Dokumenten bedeutet es mir unglaublich viel, an jenen Orten zu stehen, an denen Ida selbst einmal gestanden hat.
Rzeszów war dabei noch einmal etwas Besonderes. Denn hier begann ihre Geschichte.









